Bund

Im Jahr 2011 findet keine Wahl auf Bundesebene statt. Trotzdem beginnen wir den Report mit einer Analyse von Parteiwebseiten im Bund, da diese eine deutlich höhere Sichtbarkeit haben dürften als die Webseiten von Landesverbänden der Parteien. In der Untersuchung berücksichtigten wir Webseiten der in der 17. Wahlperiode im Bundesparlament vertretenen Parteien (CDU, CSU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke) und der Piratenpartei. Zusätzlich analysierten wir die Webseiten der deutschen Wikipedia und Abgeordnetenwatch. Diese Seiten dienen uns als Maßstab für die Sichtbarkeit politischer Webseiten im deutschsprachigen Raum. Auch wenn diese Seiten nur bedingt mit Parteiwebseiten vergleichbar sind, bieten sie Nutzern Informationen zu den gleichen Suchbegriffen an.

Parteiwebseiten konkurrieren also mit diesen und anderen Angeboten im Netz um die Positionierung in den Suchmaschinenergebnissen zu politischen Stichworten. Ein Vergleich zwischen diesen Seiten erlaubt also eine grobe Einschätzung der Sichtbarkeit von Parteiwebseiten.

Tabelle 3 bietet eine erste Übersicht zur Sichtbarkeit von Parteiwebseiten für Suchmaschinen. Der Google PageRank berechnet die relative Bedeutung einer Webseite basierend auf der Bedeutung der Webseiten, die auf sie verlinken. Der höchste Wert des PageRanks ist 10, der niedrigste 0. Die Werte von 7 und 6 für die Webseiten der Bundesparteien zeigen, dass sie aufgrund ihrer Verlinkungen von anderen Seiten von Google als relevante und autoritative Quellen angesehen werden. Für die Sichtbarkeit der Seiten in Suchmaschinenergebnissen ist dies eine gute Grundlage.

Die Positionierung einer Seite im Performance-Index von Searchmetrics dokumentiert deren relative Sichtbarkeit in den Ergebnislisten der 25 Millionen am häufigsten in Deutschland nachgefragten Suchbegriffen. Der Index geht von 1 (Webseiten, die bei keiner populären Suchanfrage in den Ergebnislisten auftauchen) bis zu beispielsweise 16.671.154 für die deutsche Ausgabe des Onlinelexikons Wikipedia. Dieser Wert, zeigt, dass diese Webseite bei sehr vielen populären Suchbegriffen prominent in den Ergebnislisten erscheint.

Die Befunde zeigen, dass die meisten Bundesparteien Indexpositionen zwischen 4.000 und 3.000 erreichen. Einzige Ausreißer nach unten sind die Webseiten der CSU und der FDP mit Werten um 1.000 bzw. 2.000. Damit erreichen die Bundestagsparteien Werte, die für politische Webseiten in Deutschland nicht ungewöhnlich sind. Diese Folgerung unterstreicht ein Vergleich mit der Seite Abgeordnetenwatch, die auf einen Wert von 2.700kommt. Diese Werte erscheinen allerdings im

Vergleich zu dem Wert des politischen Magazins „Der Spiegel“, von 1.480.497, sehr niedrig. Dass auch für Parteiwebseiten bessere Positionierungen möglich sind, stellt die Webseite der Piratenpartei unter Beweis, die mit einem Wert von 16.511 deutlich sichtbarer ist als die Webseiten der anderen Parteien.

Eine präzisere Einschätzung der Sichtbarkeit von politischen Webseiten bei Anfragen zu politischen Suchbegriffen erlauben die in Tabelle 5 dokumentierten Ergebnisse. Wir untersuchten die Positionierung von politischen Webseiten in den Ergebnislisten von Google für politisch relevante Suchbegriffe (siehe Tabelle 2). In Tabelle 5 sind alle von uns untersuchten Begriffe dokumentiert, in deren Google-Ergebnislisten die Webseiten politischer Parteien im Bund unter den ersten 30 Ergebnissen angezeigt werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Webseiten politischer Parteien im Bund überwiegend bei der Suche nach dem jeweiligen Parteinamen, den Namen von Spitzenkandidaten und prominenten Politiker sowie einigen politischen Stichworten gefunden werden. Politische Stichworte scheinen mit dem jeweiligen Parteiprofil und aktuellen Themen verbunden zu sein.

Die Seiten der Union werden bei der Suche nach dem Begriff „energiepolitik“ gefunden; die Seite der SPD erscheint in den Ergebnissen bei der Suche nach „mindestlohn“ und „steuersenkungen“; die FDP erscheint bei der Suche nach „netzsperren“; die Grünen bei der Suche nach „atomausstieg“, „atomkraft“, „gerechtigkeit“ und „soziale gerechtigkeit“; die Linke erscheint in der Ergebnissen zu den Suchanfragen „mindestlohn“ und „soziale gerechtigkeit“. Besonders die Ergebnisse der Grünen und der Linken scheinen dem Parteiprofil zu entsprechen.

Allerdings ist es erstaunlich, dass Webseiten der Unionsparteien nur bei dem politischen Suchbegriff „energiepolitik“ eine prominente Positionierung erhalten und die FDP bei dem Begriff „netzsperren“. Dies deutet darauf hin, dass diese Parteien ihre Themenprofile nur ungenügend auf ihrer Webseite abbilden.

Bei welchen populären Suchanfragen erscheinen nun die Webseiten der Bundesverbände politischer Parteien auf vorderen Positionen? Tabellen 6 a-h zeigen alle Stichworte aus dem Repertoire der laut Searchmetrics 25 Millionen am häufigsten in Deutschland gesuchten Stichworten, bei denen Parteiwebseiten auf den ersten 30 Trefferpositionen zu finden waren.

Wie bereits in Tabelle 5 erscheinen die Webseiten von politischen Parteien an besonders prominenter Stelle, wenn nach dem jeweiligen Parteinamen oder den Namen prominenter Politiker gesucht wird. Zusätzlich finden wir Parteien häufig in den Ergebnissen zu Suchanfragen nach Politikfeldern (z.B. „sicherheitspolitik“, „umweltpolitik“), Zielgruppen (z.B. „aussiedler“, „selbstständige“), Kampagnen (z.B. „dr jekyll and mr hyde“, „szenen einer ehe“) und politischen Themen (z.B. „arbeitslosenzahlen“, „koalitionsvertrag“). Darüber hinaus werden Parteiwebseiten auch nach Suchanfragen zu Stichworten zur Parteiorganisation (z.B. „bundesverband“, „mitglied“) und zu Webseitenelementen (z.B. „bilder download“, „flickr“, „registrieren“) auf vorderen Plätzen aufgeführt.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Webseiten von politischen Parteien auf Bundesebene bei der Suche nach Parteinamen und nach Parteipolitikern gut in den Ergebnislisten von Suchmaschinen positioniert sind. Auch bei der Suche nach politischen Themen schneiden die Parteiseiten in einigen Fällen passabel ab.

Allerdings bilden die Begriffe, bei denen die Webseiten von Parteien auf einem vorderen Rang platziert sind, das programmatische Spektrum der jeweiligen Partei nur im Ausnahmefall vollständig ab.