Einleitung

Von den Möglichkeiten, die das Internet bietet, ist die Suche nach Inhalten eine der am häufigsten genutzten. Die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie geht davon aus, dass 83% der 51,7 Millionen deutschen Onlinenutzer ab 14 Jahren regelmäßig Suchmaschinen nutzen, um nach Informationen, Nachrichten oder Waren zu suchen¹. Suchmaschinen sind dabei die Filter, durch die Suchende das Informationsangebot im Internet wahrnehmen. Auf welcher Position eine Webseite nach einer Suchan-frage in der Ergebnisliste einer populären Suchmaschine genannt wird, entscheidet daher wesentlich darüber, ob interessierte Nutzer auf diese Seite stoßen. Dies macht es für Webseitenbetreiber so wichtig, ihre Webseite für Suchmaschinen verständlich aufzubereiten.

Die Position einer Webseite in der Ergebnisliste, die von Suchmaschinen nach einer Suchanfrage angezeigt wird, wird von der Relevanz bestimmt, die eine Suchmaschine einer Webseite in Bezug auf den jeweiligen Suchbegriff zuschreibt. Diese Relevanz von Webseiten wird aus einer Vielzahl von Faktoren berechnet. Einige davon können Webseitenbetreiber nur in begrenztem Maße beeinflussen (z.B. die Zahl der Verlinkungen der eigenen Webseite auf anderen Webseiten und die Häufigkeit, mit der Nutzer nach Suchanfragen auf den Eintrag der eigenen Webseite in Ergebnislisten klicken), andere Faktoren können sie hingegen gezielt beeinflussen. So erhöht eine suchmaschinenfreundliche Programmierung der eigenen Webseite durch eindeutige thematische Stichworte, bedeutungstragende URLs, barrierefreie Codierung oder die inhaltliche Gestaltung der Beiträge die Wahrscheinlichkeit, auf einem vorderen Platz in Ergebnislisten genannt zu werden.

Auch für Anbieter politischer Webseiten ist die Positionierung ihrer Seiten in Ergebnislisten von Suchmaschinen zunehmend wichtig. In einer Untersuchung zur politischen Netznutzung in Deutschland fand das Allensbacher Institut heraus, dass 26% der Deutschen über 16 Jahre das Internet mehrmals wöchentlich nutzten, um politische Informationen zu suchen. Weitere 17% gaben an, das Internet ein oder mehrmals monatlich zu verwenden, um sich über Politik zu informieren.²  Damit wird das Internet für keine politische Aktivität so häufig genutzt wie für die Suche nach politischen Informationen. Menschen suchen also im Internet gezielt nach Informationen zu tagesaktuellen Themen, Kandidaten, Parteien oder Wahlen. Diese Art der Internetnutzung ist für Parteien und Politiker interessant, da sie bei geschickter Gestaltung und redaktioneller Betreuung ihrer Webseiten mit ihren Informationen interessierte Suchende erreichen können. Dazu müssen politische Webseiten aber so konzipiert sein, dass sie von Suchmaschinen als relevante Ergebnisse zu politischen Suchbegriffen angezeigt werden.

Besonders interessant ist es für Parteien oder Kandidaten, wenn ihre Seiten als relevante Informationsquelle in Bezug auf Suchbegriffe angezeigt werden, die zwar auf politisches Interesse des Suchenden schließen lassen, die aber kein parteipolitisches Interesse oder gar eine bestimmte Parteipräferenz voraussetzen. Wenn zum Beispiel eine Berlinerin durch Wahlplakate auf einen kurz bevorstehenden Wahltermin in ihrer Heimatstadt aufmerksam wird und sich kurz vor der Stimmabgabe informieren möchte, mag sie die Worte „Wahl Berlin“ in ihrer favorisierten Suchmaschine eingeben. Wird nun die Webseite einer Berliner Partei in den Suchergebnissen an prominenter Stelle genannt, könnte die zwar interessierte, aber noch nicht auf eine Wahlentscheidung festgelegte Bürgerin direkt auf diese Seite klicken und auf das ungefilterte Informationsangebot dieser Partei stoßen. Gerade in Zeiten schwacher Parteibindungen und kurzfristiger Wahlentscheidungen sollten solche Besucher für Parteien und Politiker von großem Interesse sein.

Dieser Report untersucht, wie es um die Suchmaschinen-Sichtbarkeit der Webseiten politischer Parteien in Deutschland bestellt ist. Dazu analysieren wir mit der Search Analytics Software Searchmetrics Suite die Positionierung der Webseiten von Parteien. Wir betrachten die Webseiten von Bundesparteien und von Landesparteien in Bundesländern, in denen im September 2011 Wahlen stattfanden (Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen). Unsere Ergebnisse dokumentieren, wie sichtbar politische Parteien in Suchmaschinenergebnissen sind, geben aber auch Hinweise darauf, wie aktiv politische Parteien und ihre Agenturen versuchen, die Sichtbarkeit dieser Webseiten zu beeinflussen.


¹ B. van Eimeren und B. Frees, „Drei von vier Deutschen im Netz – ein Ende des digitalen Grabens in Sicht?“ Media Perspektiven 7/8 (2011), 334-349.
² R. Köcher und O. Bruttel, „Tiefgreifender Wandel von Politik und Wirtschaft durch das Internet“, Institut für Demoskopie Allensbach (27. Juni 2011).